Git Fortgeschritten: Team-Kollaboration und Branch-Management Best Practices

Einleitung
Ein Kollege schrieb in den Chat: „Dein Merge hat gerade meine Login-Funktion überschrieben – Nutzer kommen online nicht mehr rein …“
Im Code nur Konfliktmarker, unklar was meins, was seins war. Diese Nacht lehrte mich: Git-Basics beherrschen heißt nicht, im Team sicher zu arbeiten.
Wenn Sie schon einmal zu viele Branches hatten, Merge-Angst oder eine Commit-Historie wie ein Knäuel kannten, hilft dieser Artikel. Praxis aus mehreren Jahren Teamarbeit: Workflow-Wahl, Konflikte, Rebase, Code-Review. Danach wissen Sie, welche Branch-Strategie passt, wie Sie Konflikte lösen, Historie mit Rebase aufräumen und Reviews effizient gestalten.
Kapitel 1: Den passenden Git-Workflow wählen
Als ich das erste Mal ein Team führte, wusste ich nicht, welchen Workflow wir brauchen. „Git Flow ist professionell“ – kopiert, und fünf Leute verbrachten täglich eine halbe Stunde nur mit Branches. Am Ende waren alle genervt.
Später wurde klar: Es gibt keinen besten Workflow – nur den passenden.
Git Flow vs. GitHub Flow vs. Trunk Based Development
Kurz die drei Modelle:
Git Flow ist wie eine strenge Fabriklinie: develop, feature, release, hotfix. Microsoft, IBM und große Firmen mit festem Release-Rhythmus nutzen das.
Für kleine Teams ist Git Flow schwer. Früher: release von develop, Test, Merge nach master, zurück nach develop – allein der Prozess kostete Nerven.
GitHub Flow ist schlank: ein Hauptbranch (main/master), Features als feature/-Branches, PR, Merge. Ideal für Teams mit 3–10 Personen, schnelle Iteration, Continuous Delivery.
Mein aktuelles Team nutzt GitHub Flow mit CI/CD – mehrere Releases pro Tag sind normal, die Regeln sind leicht.
Trunk Based Development geht weiter: fast alles direkt auf dem Hauptbranch, Branch-Lebensdauer oft unter einem Tag. Google, Facebook – mit sehr hoher Testabdeckung.
Für normale Teams ist TBD riskant. Unter ~90 % Testabdeckung bricht der Main schnell.
Trends 2025
2025 dominiert das Hybridmodell. Kleine Teams (1–10): GitHub Flow plus GitHub Actions oder GitLab CI. Größere Teams mischen Git-Flow-Elemente dazu.
Ein Bekannter mit 20 Leuten nutzt „GitHub Flow + Release-Branch“: Alltag wie GitHub Flow, vor Releases ein release/-Branch zur Stabilisierung.
Empfehlung:
- 1–5 Personen: GitHub Flow, nicht overthinken
- 5–15 Personen: GitHub Flow + vereinfachtes Release
- Ab 15 Personen: Git Flow oder Hybrid – mit solidem CI/CD
Wichtig: Nicht überdesignen. Komplexe Branch-Strategien, die niemand einhält, enden im Wildwuchs.
Kapitel 2: Goldene Regeln für Branch-Management
Branch-Chaos ist der Klassiker. Ein Projekt hatte 70+ Remote-Branches, die Hälfte Zombie von vor zwei Jahren – eigene Branches zu finden war Tortur.
Diese goldenen Regeln haben unser Repo deutlich aufgeräumt.
Branch-Namenskonvention
Pflicht-Präfixe:
feature/– neue Featuresbugfix/– Bugfixeshotfix/– dringende Hotfixesrelease/– Release-Branches
Plus Ticketnummer, z. B. feature/JIRA-1234-user-login. Auf einen Blick: Zweck und Verantwortung. Ein Branch namens test lag drei Monate rum – niemand wusste mehr warum.
Weitere Tipps:
- Keine chinesischen Branch-Namen (Encoding-Probleme in manchen Tools)
- Keine Sonderzeichen, besonders Leerzeichen und
@ - Bindestrich
-statt Unterstrich_
Branch-Lebenszyklus
Extremfall: Feature-Branch drei Monate offen, Merge unmöglich, Feature neu geschrieben.
Regel im Team: Feature-Branch max. 3 Tage. Großes Feature → mehrere kleine Features, nacheinander mergen.
Nach Merge: Branch löschen. „Vielleicht brauche ich ihn noch“ – in der Praxis selten. Git behält die Historie.
Befehle (notiert für schnellen Zugriff):
# Lokalen Branch löschen
git branch -d feature/xxx
# Remote-Branch löschen
git push origin --delete feature/xxx
Zombie-Branches aufräumen:
# Bereits in main gemergte Branches anzeigen
git branch --merged main
# Batch-Löschung (vorsichtig nutzen)
git branch --merged main | grep -v "main" | xargs git branch -d
Branch Protection
Hauptbranch schützen ist Pflicht.
Früher durfte jeder direkt auf main pushen – ein Praktikant schickte unfertigen Code, Testumgebung down.
Heute auf GitHub/GitLab:
- Kein direkter Push auf main, nur PR/MR
- Mindestens 1 Approve
- CI grün (Tests, Lint)
Einstellung: GitHub → Settings → Branches → Branch protection rules.
Wirkt zunächst bürokratisch, verhindert aber viele Fehler – und Review ist Lernchance für Stil und Domäne.
Kapitel 3: Git Rebase vs. Merge – wann was?
Beim ersten git rebase waren alle Commit-IDs plötzlich anders – ich dachte, Code weg. Rebase und Merge mergen beides, aber fundamental unterschiedlich.
Merge und Rebase im Kern
Analogie:
Merge – zwei Flüsse treffen sich, Merge-Commit, sichtbare Gabel in der Historie.
Rebase – Nebenarm wird in den Hauptstrom umgeleitet, Historie wirkt linear; Commit-IDs ändern sich.
Technisch:
- Merge behält vollständige Historie inkl. Branch-Kontext
- Rebase erzeugt lineare Historie, verliert Branch-Kontext
Einsatz und goldene Regel
Merge, wenn:
- Feature final in main
- Shared Branch zusammenführen
- Merge-Historie sichtbar bleiben soll
Rebase, wenn:
- Feature hinter main nachziehen
- Eigene Historie aufräumen (noch nicht gepusht)
- Lineare Historie gewünscht
Goldene Regel:
Niemals bereits auf Shared Branches gepushte Commits rebasen!
Rebase ändert IDs – wer auf alten Commits baute, hat danach Chaos. Ein Kollege löste das für das ganze Team aus – eine Woche Ärger.
Prinzip: Lokal Rebase frei, vor Push nachdenken.
Interaktives Rebase in der Praxis
git rebase -i ist mächtig. Ein Feature mit dutzenden Commits wie „fix“, „nochmal“, „again“ – vor Merge in drei saubere Commits gefaltet:
# Letzte 10 Commits aufräumen
git rebase -i HEAD~10
Editor zeigt z. B.:
pick a1b2c3d Benutzer-Login hinzufügen
pick e4f5g6h Login-Bug fixen
pick i7j8k9l Nochmal anpassen
pick m0n1o2p Login-Logik optimieren
...
Aktionen:
pick– Commit behaltensquash/s– in vorherigen Committenreword/r– Message ändernedit/e– pausieren, Inhalt änderndrop/d– Commit verwerfen
Beispiel:
pick a1b2c3d Benutzer-Login hinzufügen
squash e4f5g6h Login-Bug fixen
squash i7j8k9l Nochmal anpassen
reword m0n1o2p Login-Logik optimieren
Erstes Mal wirkt es komplex – nach ein paar Durchläufen Routine. Historie ohne peinliche „nochmal“-Messages.
Best Practice 2025: Lokal Rebase zum Aufräumen, Merge in den Hauptbranch. Saubere Main-Historie plus nachvollziehbare Merges.
Kapitel 4: Konflikte ohne Panik
Konflikte hatten bei mir Trauma-Status. Beim ersten Mal nur <<<<<<< und >>>>>>> – am Ende eigenen Code gelöscht und neu geschrieben.
Konflikte sind handhabbar, wenn man die Marker versteht und präventiv arbeitet.
Konflikte vorbeugen
1. Täglich mit Main synchronisieren
Vor Arbeitsbeginn:
git checkout main
git pull origin main
git checkout feature/xxx
git merge main # oder git rebase main
Feature bleibt nah am Main – weniger Merge-Schmerz.
2. Kleine Commits, schnelle Merges
Wieder: Feature-Branch max. 3 Tage. Längere Lebensdauer = größere Diff = mehr Konflikte.
3. Vorab abstimmen
Zwei Leute, gleiche Datei – vorher reden. Wir pflegen in Notion eine Tabelle „Features in Entwicklung“.
Konfliktmarker und manuelle Lösung
Typisches Bild:
<<<<<<< HEAD
function login(username, password) {
// Ihr Code
return api.post('/login', { username, password });
}
=======
function login(email, password) {
// Code des Kollegen
return api.post('/auth/login', { email, password });
}
>>>>>>> feature/new-login
<<<<<<< HEADbis=======: aktueller Branch=======bis>>>>>>> feature/new-login: einzumergender Branch
Entscheidung: behalten, verwerfen, kombinieren – hier z. B. username vs. email und API-Pfad klären.
Nach Lösung Marker entfernen:
git add .
git commit -m "Merge-Konflikt Login-Funktion gelöst"
Visuelle Tools
Manuell ist mühsam bei vielen Konflikten. VS Code markiert Konflikte und bietet:
- „Accept Current Change“ – eigene Version
- „Accept Incoming Change“ – fremde Version
- „Accept Both Changes“ – beides
- „Compare Changes“ – Diff-Ansicht
Bei komplexen Fällen: git mergetool mit p4merge – drei Spalten (Basis, Ihre Version, andere Version).
Nach der Lösung verifizieren
Einmal nach Konfliktlösung direkt gepusht – wichtige Logik des Kollegen versehentlich gelöscht, Produktion betroffen.
Heute immer:
- Tests lokal
git diff– nichts Wichtiges gelöscht- Wenn möglich Kollege drüberschauen lassen
Minuten Aufwand, vermeidet Incidents.
Kapitel 5: Effizientes Code-Review
Früher hasste ich Reviews – „mein Code ist gut genug“. Kommentare, ständiges Umbauen, Zeitverlust.
Als ich selbst reviewte, wurde klar: Code-Review ist mehr als Bug-Suche.
Der eigentliche Wert
Drei Punkte:
1. Wissen teilen – wer baut was, keine Silos. Mehrfach in PRs gesehen, wie Features elegant gelöst sind.
2. Qualität – zweites Paar Augen. Einmal Rekursion ohne Grenzfall – Reviewer verhinderte Stack Overflow.
3. Wachstum – guten Code lesen lernt man am besten so. Viele Tricks aus Senior-PRs übernommen.
PR Best Practices
Passende PR-Größe
200–400 Zeilen ideal, max. 500. Größere PRs werden durchgewunken.
Großes Feature splitten, z. B. User-System:
- PR1: DB-Schema und Basis-Model
- PR2: Registrierung
- PR3: Login
- PR4: Profil bearbeiten
Klare Beschreibung
Team-Template:
## Hintergrund
Kurz: warum diese Änderung
## Änderungen
- Neues Feature xxx
- Bug xxx behoben
- Modul xxx refactored
## Tests
- [ ] Unit-Tests grün
- [ ] Manuell lokal geprüft
- [ ] Auf Staging verifiziert
## Hinweise
Config, Migrationen, etc.
Commit Messages
Conventional Commits mit Präfix:
feat: Benutzer-Loginfix: Passwort-Validierungrefactor: User-Servicedocs: API-Doku
Ermöglicht Changelog-Generierung und schnelle Historien-Suche.
Reviewer und Autor
Reviewer:
- Antwort innerhalb von 24 Stunden
- Konstruktiv („Vorschlag: xxx, weil …“)
- Logik, Lesbarkeit, Bugs – Stil dem Linter
Autor:
- Kommentare zeitnah
- Design erklären
- Feedback prüfen, auch wenn es zunächst odd wirkt
Früher schrieb ich „hier falsch, bitte ändern“ – heute eher: „Diese Schleife skaliert schlecht bei großen Datenmengen. Vorschlag xxx oder yyy – was meinst du?“
Trend 2025: KI-gestütztes Review
2025 mehr Tools wie GitHub Code Quality (Oktober): Wartbarkeit, Security.
Im Test hilfreich bei:
- Unbehandelten Exceptions
- Potenziellen Memory Leaks
- Hoher zyklomatischer Komplexität
KI ersetzt Menschen nicht bei Design und Fachlogik.
Aktuell: KI-Scan für Offensichtliches, Mensch für Architektur und Domäne – spürbar schneller.
Kapitel 6: Typische Fehler und Checkliste
Abschließend Fehler aus eigener Erfahrung – damit Sie sie umgehen.
Gefahr von Force Push
Feature weit hinter main, nach Rebase kein normaler Push. git push -f gesucht – „Force“ klang machbar.
Ergebnis: frische Commits eines Kollegen überschrieben. Glücklicherweise Backup – sonst Tag Arbeit weg.
git push -f / --force überschreibt Remote blind.
Erlaubt:
- Eigener Feature-Branch, niemand anders nutzt ihn
Verboten:
- main/master und jeder Shared Branch
Wenn nötig: git push --force-with-lease – bricht ab, wenn Remote neue Commits hat.
Weitere häufige Fehler
1. Direkt auf main
Auch Ein-Zeichen-Fix: Branch, PR, Merge – Review und Rollback.
2. Beliebige Commit Messages
„fix“, „Änderung“, „111“, „asdf“ – später wertlos. Jeder Commit: Was und warum.
3. Branches nach Merge behalten
Sofort löschen. Auto-Delete in GitHub/GitLab beim Merge aktivieren.
4. Blind git add .
Staged alles – .env mit Secrets landete schon in Repos.
Besser: git add -p, interaktiv bestätigen.
Team-Git-Checkliste
Branch-Management
- Einheitliche Namen (feature/, bugfix/, …)
- Ticketnummer im Namen
- Feature max. 3 Tage
- Nach Merge löschen
- Branch Protection auf main
Commits
- Conventional Commits
- Ein Commit, eine Sache
- Lint und Tests vor Push
- Keine Secrets (.env, Keys)
Code-Review
- PR 200–400 Zeilen
- Klare Beschreibung
- Min. 1 Approve
- CI grün
- Antwort innerhalb 24h
Konflikte
- Täglich Main sync
- Tests nach Lösung
- Unklares mit Team klären
Verboten
- Nicht auf main direkt entwickeln
- Kein
git push -fauf Shared Branches - Kein Rebase gepushter Shared-Commits
- Kein untested Code
Fazit
Die Nacht um zwei Uhr mit dem Login-Incident wünschte ich mir damals schon dieses Wissen. Jeder Fehler wurde Erfahrung.
Git ist nicht das Schwierige – Einigung im Team ist es. Ohne Disziplin nützt jeder Workflow nichts.
Einfach starten, schrittweise verbessern. Keine Monster-Policy am Tag eins.
Beispiel-Roadmap:
- Woche 1: Branch-Namen vereinheitlichen
- Woche 2: Branch Protection
- Woche 3: PR-Review etablieren
- Woche 4: Commit-Message-Konvention
Tempo geben, Team mitnehmen.
Vor allem: Kommunizieren. Viele Git-Konflikte sind Kommunikationsprobleme.
Weiterführend:
- Atlassian Git Tutorial – umfassend
- Pro Git (E-Book) – offiziell, kostenlos
- GitKraken oder SourceTree – visuell, einsteigerfreundlich
Als Nächstes vielleicht cherry-pick, stash, submodule – bei Interesse folgen.
Ihnen und Ihrem Team: weniger Nacht-Merge-Panik, mehr flüssige Zusammenarbeit!
Git-Team-Kollaboration: Kompletter Ablauf
Vom Workflow bis Code-Review – Branch-Management, Konfliktlösung und Best Practices
Estimated time: PT1H
-
1
Step 1: Passenden Git-Workflow wählen
Nach Teamgröße entscheiden: -
2
Step 2: Branch-Regeln etablieren
Namenskonvention: Präfixe feature/, bugfix/, hotfix/, release/, Ticketnummer (feature/JIRA-1234-user-login), Bindestrich statt Unterstrich, keine chinesischen Namen oder Sonderzeichen. Lebenszyklus: Feature max. 3 Tage, nach Merge löschen (git branch -d, git push origin —delete), Batch: git branch —merged main | grep -v “main” | xargs git branch -d. Protection: kein direkter Push auf main, min. 1 Approve, CI Pflicht. -
3
Step 3: Rebase und Merge gezielt nutzen
Merge: Feature in main, Shared Branches, volle Merge-Historie. Rebase: Main nachziehen, persönliche Historie vor Push, lineare Historie. Goldene Regel: keine Rebase gepushter Shared-Commits. Interaktiv: git rebase -i HEAD~10 mit pick/squash/reword/edit/drop. 2025: lokal Rebase, Merge in main. -
4
Step 4: Git-Konflikte vermeiden und lösen
Prävention: täglich Main sync (checkout main, pull, zurück zu feature, merge/rebase), kleine Commits (max. 3 Tage Branch), vorher abstimmen. Marker: <<<<<<< HEAD bis ======= eigener Code, bis >>>>>>> fremder Code. Tools: VS Code Accept Current/Incoming/Both/Compare, git mergetool + p4merge. Danach: Tests, git diff, optional Kollegen-Review. -
5
Step 5: Effizientes Code-Review
PR 200–400 Zeilen (max. 500), große Features splitten. Template: Hintergrund, Änderungen, Tests, Hinweise. Conventional Commits (feat/fix/refactor/docs). Reviewer: 24h, konstruktiv, Fokus Logik. Autor: antworten, Design erklären. 2025: KI-Review (GitHub Code Quality), KI für Offensichtliches, Mensch für Design. -
6
Step 6: Fehler vermeiden, Team-Regeln
Verboten: main direkt, git push -f auf Shared (besser —force-with-lease), Rebase gepushter Shared-Commits, untested Code. Weitere Fehler: schlechte Messages, alte Branches, blind git add . (besser git add -p). Checkliste: Branch-Namen, Commits, Review, Konflikte wie oben.
FAQ
Welchen Git-Workflow sollte ein kleines Team wählen?
• Einfach und schnell: nur ein Hauptbranch, alle Features starten als Feature-Branch vom Main
• Schnelle Iteration: mit CI/CD mehrfach täglich deploybar
• Geringe Lernkurve: Team versteht und hält Regeln leicht ein
Warum Git Flow für kleine Teams ungeeignet ist:
• Komplexer Prozess: develop/feature/release/hotfix parallel pflegen
• Für große Unternehmen: Teams mit festem Release-Zyklus
• Für kleine Teams zu schwerfällig – Branch-Management frisst täglich viel Zeit
Trend 2025: Hybridmodelle – kleine Teams mit GitHub Flow, größere Teams kombinieren Teile von Git Flow. Kernpunkt: nicht überdesignen, passende Lösung zur Teamgröße wählen.
Was sind die goldenen Regeln für Branch-Management? Wie vermeidet man Branch-Chaos?
• Einheitliche Präfixe (feature/ für Features, bugfix/ für Bugs, hotfix/ für Hotfixes, release/ für Releases)
• Ticketnummer Pflicht (z. B. feature/JIRA-1234-user-login)
• Wörter mit Bindestrich - verbinden, nicht Unterstrich _ (Branchenkonvention)
• Keine chinesischen Branch-Namen (Git unterstützt sie, manche Systeme zeigen Zeichenfehler)
• Keine Sonderzeichen (besonders Leerzeichen und @)
Branch-Lebenszyklus:
• Feature-Branch max. 3 Tage (große Features in mehrere kleine Features splitten)
• Nach Merge sofort löschen:
- git branch -d feature/xxx lokal
- git push origin --delete feature/xxx remote
• Gemergte Branches batchweise löschen: git branch --merged main | grep -v "main" | xargs git branch -d
Branch Protection:
• Auf GitHub/GitLab: direkter Push auf main verbieten, nur PR/MR
• Mindestens 1 Approve vor Merge
• CI muss grün sein (Unit-Tests, Lint)
• Konfiguration: GitHub Repository → Settings → Branches → Branch protection rules
Was ist der Unterschied zwischen Rebase und Merge? Wann nutzt man was?
Merge:
• Wie zwei Flüsse, die zusammenlaufen – man sieht klar, wo sie sich treffen
• Erzeugt Merge-Commit, Historie mit sichtbaren Verzweigungen
• Vollständige Historie inkl. Branch-Erstellung und Merge
Rebase:
• Wie Nebenarm-Wasser in den Hauptstrom umgeleitet – Historie wirkt linear
• Schreibt Historie um, Commits werden „verschoben“, Commit-IDs ändern sich
• Lineare Historie, aber Branch-Kontext geht verloren
Einsatz:
• Merge: Feature in main mergen, Shared Branches zusammenführen, Merge-Historie bewahren
• Rebase: Feature hinter main nachziehen, persönliche Historie aufräumen (vor Push), lineare Historie wünschen
Goldene Regel:
• Niemals bereits auf Shared Branches gepushte Commits rebasen (Commit-IDs ändern sich, Kollegen mit alten Commits geraten ins Chaos)
Prinzip: lokal Rebase frei, vor Push nachdenken.
Best Practice 2025: lokal Rebase zum Aufräumen, Merge beim Einchecken in den Hauptbranch.
Wie verhindert und löst man Git-Konflikte?
1) Täglich mit Main synchronisieren:
• Vor Arbeitsbeginn: git checkout main && git pull origin main && git checkout feature/xxx && git merge main oder git rebase main
2) Kleine Commits, schnelle Merges:
• Feature-Branch max. 3 Tage – je länger der Branch, desto höher die Konfliktwahrscheinlichkeit
3) Vorab abstimmen:
• Gleiche Datei? Vorher Bescheid geben
• Notion-Tabelle „Features in Entwicklung“ zeigt, wer welche Datei bearbeitet
Konfliktmarker verstehen:
• <<<<<<< HEAD bis =======: Code Ihres aktuellen Branch
• ======= bis >>>>>>>: Code des einzumergenden Branch
• Entscheiden: behalten, verwerfen oder kombinieren
• Nach Lösung Marker entfernen, dann git add . && git commit
Visuelle Tools:
• VS Code: Accept Current Change, Accept Incoming Change, Accept Both Changes, Compare Changes
• git mergetool mit p4merge: Drei-Spalten-Vergleich (Basis, Ihre Version, fremde Version)
Nach der Lösung prüfen:
• Tests lokal ausführen
• git diff prüfen, nichts versehentlich gelöscht
• Wenn möglich Kollege reviewen lassen
Wie baut man einen effizienten Code-Review-Prozess auf? PR Best Practices?
• Wissen teilen (Team sieht, wer woran arbeitet – keine Silos)
• Qualität (zweites Paar Augen findet Blindspots)
• Wachstum (guten Code lesen ist beste Lernmethode)
PR Best Practices:
1) Passende PR-Größe:
• Ideal 200–400 Zeilen, max. 500
• Zu große PRs werden oberflächlich geprüft – große Features in mehrere PRs splitten
2) Klare PR-Beschreibung:
• Template mit Hintergrund/Änderungen/Tests/Hinweisen
• Reviewer versteht sofort Was und Warum
3) Saubere Commit Messages:
• Conventional Commits mit Typ-Präfix:
- feat/ neues Feature
- fix/ Bugfix
- refactor/ Refactoring
- docs/ Dokumentation
• Ermöglicht automatisches Changelog und leichtere Historien-Recherche
Rollen:
Reviewer:
• PR innerhalb von 24 Stunden bearbeiten
• Konstruktives Feedback („Vorschlag: xxx, weil …“ statt „schlecht geschrieben“)
• Logik, Lesbarkeit, Bugs – Stil dem Linter überlassen
Autor:
• Kommentare zeitnah beantworten
• Design erklären (unklarer Code = unklare Kommunikation)
• Feedback offen prüfen
Welche typischen Fehler gibt es bei Git-Teamarbeit? Wie vermeidet man sie?
1) Gefahr von Force Push:
• git push -f oder git push --force überschreibt Remote-Historie blind
• Niemals auf main/master oder Shared Branches
• Wenn nötig: git push --force-with-lease (prüft neue Remote-Commits und bricht ab)
2) Direkt auf main entwickeln:
• Auch Ein-Zeichen-Fixes über Branch + PR – Review-Spur und Rollback bleiben möglich
3) Beliebige Commit Messages:
• „fix“, „Änderung“, „111“, „asdf“ helfen später nicht
• Jeder Commit: Was geändert, warum geändert
4) Gemergte Branches nicht löschen:
• Nach Merge sofort entfernen
• GitHub/GitLab: Auto-Delete-Branch beim Merge aktivieren
5) Blind git add .:
• Staged alles – inkl. .env mit Passwörtern
• Besser: git add -p, Datei für Datei bestätigen
Team-Git-Checkliste:
Branch-Management:
• Einheitliche Namen, Ticketnummer, max. 3 Tage Lebensdauer, nach Merge löschen, Branch Protection
Commits:
• Conventional Commits, ein Commit = eine Sache, Lint/Tests vor Push, keine Secrets
Code-Review:
• PR-Größe passend, klare Beschreibung, min. 1 Approve, CI grün, 24h Reaktionszeit
Konflikte:
• Täglich Main sync, Tests nach Lösung, bei Unsicherheit kommunizieren
Verboten:
• Nicht direkt auf main entwickeln
• Kein git push -f auf Shared Branches
• Kein Rebase gepushter Shared-Branch-Commits
• Kein untested Code committen
10 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am: 24. Nov. 2025 · Aktualisiert am: 14. Juli 2026
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