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DeepAgents-Architektur: Planning Tools, Sub-Agents und Dateisystem

Warum bricht Ihr KI-Agent bei komplexen Aufgaben immer wieder zusammen?

Sie lassen ihn ein Technologiethema recherchieren – nach 20 Schritten sinkt die Qualität. Sie lassen ihn eine Codebasis refaktorieren – am Ende funktioniert nichts mehr wie vorher. Sie lassen ihn einen langen Bericht schreiben – zur Hälfte wiederholt er sich oder driftet vom Thema ab.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Mit einem klassischen Agent wollte ich LangGraph-Best-Practices recherchieren. Anfangs war die Ausgabe strukturiert – nach über dreißig Schritten „vergaß“ er frühere Quellen, das Analysegerüst wackelte, der Bericht wirkte zusammengestückelt und widersprüchlich.

Die Ursache ist immer dieselbe: klassische Agents sind „shallow“. Sie reagieren schrittweise, ohne Planung, ohne Gedächtnis, ohne Unteraufgaben. Wie jemandem einen 5000-Wörter-Bericht ohne Gliederung zu geben – zur Hälfte verliert er die Linie.

Claude Code, Deep Research und Manus schaffen dagegen komplexe Jobs: Refactoring über tausende Zeilen, Reports über Dutzende Seiten. Wie?

Mit der Deep-Agent-Architektur. LangChain hat sie im Paket DeepAgents verpackt. Heute zerlegen wir die vier Säulen: Planning Tools, Sub-Agents, Dateisystem und System Prompts.

Warum Deep Agents?

50 %+
Erfolgsrate sinkt
Klassischer Agent bei über 10 Schritten
Source: Prompting Guide Research

Fakt: Bei mehr als zehn Schritten fällt die Erfolgsrate klassischer Agents um über die Hälfte.

Das ist keine Behauptung. Daten vom Prompting Guide zeigen: Ab Schritt 11 sinkt die Qualität bei Shallow Agents deutlich. Warum? Es fehlt „Struktur im Kopf“.

Klassische Agents sind reaktiv: Anweisung → Tool → Ergebnis. Jeder Schritt steht für sich – keine Langzeitplanung, kein Zwischenzustand. Wie jemandem das ganze Haus putzen zu lassen, ohne Reihenfolge und ohne Notizen, welche Räume schon fertig sind.

Drei typische Absturzszenarien:

Deep Research. Der Agent recherchiert z. B. „LangGraph Best Practices in Produktion“. Er sucht, liest, extrahiert. Nach 20 Schritten sind frühere Funde aus dem Kontextfenster verdrängt; der Bericht passt nicht mehr zusammen.

Code-Refactoring. Tausende Zeilen, viele Module mit Abhängigkeiten – der Agent ändert eins, vergisst ein anderes. Am Ende läuft nichts mehr.

Lange Texte. Bei 5000 Wörtern wiederholt er sich oder verlässt das Thema.

Gemeinsamer Kern: Context-Kontrollverlust.

Claude Code, Deep Research und Manus nutzen dieselbe Idee: Planung, Aufgabenzerlegung, Memory, Fortschrittskontrolle. LangChain packt das in DeepAgents – im Folgenden das Design im Detail.

Die vier Säulen von DeepAgents

Philosophie: komplexe Arbeit in handhabbare Einheiten mit klaren Rollen.

Vier Säulen greifen ineinander: Planning Tools für Plan und Fortschritt, Sub-Agents für Facharbeit und Context-Isolation, File System für Speicher, System Prompts für Verhaltensgrenzen – wie Orchester: Dirigent, Instrumentengruppen, Partitur, Spielregeln.

Planning Tools: ein „Kopf“ für den Agent

Kern: todo_write.

Technisch ein No-Op – es führt keine Arbeit aus, sondern pflegt eine Aufgabenliste. Diese Liste lebt im Kontextfenster als Working Memory, sodass der Agent Plan und Fortschritt ständig „sieht“.

Beispiel Technologie-Recherche:

- [ ] LangGraph-Dokumentation suchen
- [ ] State-Machine-Design lesen
- [ ] Best-Practice-Fälle extrahieren
- [ ] Kernmuster zusammenfassen
- [ ] Strukturierten Bericht ausgeben

Nach jedem Schritt wird [ ] zu [x]. Egal wie viele Schritte – der Agent weiß, was offen, erledigt oder läuft.

Das sichert langfristige Zielkonsistenz. Ein klassischer Agent vergisst nach Schritt 20 oft das Ziel von Schritt 1. Die Todo-Liste ist wie ein Zettel am Kühlschrank: „Woran arbeitest du eigentlich?“

"Claude Code und Manus nutzen dasselbe Prinzip – Kontextfenster als Working Memory, damit der Agent nicht abdriftet"

Sub-Agents: Fachrollen und Context-Isolation

Ein Orchestrator plant und delegiert; Sub-Agents führen aus – jeweils mit eigenem Kontextfenster. Nach Abschluss geht nur das Endergebnis an den Orchestrator.

Vier Vorteile:

Context Preservation. Zwischenschritte (Suchtreffer, HTML, Extraktion) bleiben beim Sub-Agent. Der Orchestrator bekommt z. B. nur: „Diese fünf Kernpunkte gefunden.“

Specialized Expertise. research_subagent für Suche, writer_subagent für Text, coder_subagent für Code – jeweils fokussiert.

Reusability. Derselbe Sub-Agent in mehreren Workflows.

Fine-Grained Permissions. Lesen, Schreiben, Netzwerk – pro Sub-Agent getrennt.

"Empfohlen: Orchestrator-Sub-agent-Architektur (Task Decomposition Pattern) – komplexe Aufgaben in Teilaufgaben für spezialisierte Einheiten"

API-Beispiel:

from deepagents import create_deep_agent, create_subagent

# Sub-Agents definieren
research_subagent = create_subagent(
    name="research",
    tools=[internet_search, read_url],
    description="Spezialist für Recherche und Extraktion"
)

writer_subagent = create_subagent(
    name="writer",
    tools=[write_file],
    description="Spezialist für Strukturierung und Ausgabe"
)

# Haupt-Agent
agent = create_deep_agent(
    subagents=[research_subagent, writer_subagent],
    tools=[todo_write, read_file, write_file]
)

Context-Wechsel und Ergebnisübergabe übernimmt DeepAgents beim Aufruf.

File System: über die Kontextgrenze hinaus

Kontextfenster sind begrenzt (z. B. Claude ~200K, GPT-4 ~128K Tokens). Bei langen Jobs – große Codebasen, viele Dokumente – ist der Platz schnell voll.

Lösung: Dateireferenzen statt alles inline.

Zwischenergebnisse landen im Dateisystem; bei Bedarf read_file. Wie Forschung mit Ordnern statt alles auswendig.

Drei Backends:

StateBackend – RAM, Tests, kurze Tasks. Schnell, nicht persistent.

FilesystemBackend – lokale Dateien, Produktion. Persistent, IO-Overhead.

StoreBackend – Cloud, Enterprise, Audit. Versionierung und Logs, höherer Setup-Aufwand.

ModusVorteileNachteileEinsatz
All-in-ContextEinfachContext-OverflowKurze Tasks
File-Based ReferencesSpart ContextDateilogik nötigLange Tasks, Produktion
HybridFlexibelKomplexerEnterprise

Standard oft Hybrid – Wichtiges im Context, Massendaten in Dateien.

System Prompts: unterschätzt, aber zentral

Viele denken: „Du bist ein hilfreicher Assistent.“ Bei Deep Agents sind System Prompts hunderte bis tausende Zeilen – Tool-Regeln, Datei-Flows, Stil.

Claude Code: hunderte Zeilen. Deep Research: tausende – Methodik, Extraktion, Output-Templates.

Warum so lang? Lange Tasks treffen Grenzfälle. Kurze Anweisungen reichen nicht. Detaillierte Prompts legen fest:

Verhaltensgrenzen – wann todo_write, wann Sub-Agent, wann direkt antworten.

Tool-Nutzung – Parameter, Rückgabeformat (Pfad vs. ID, Rohtext vs. Summary).

Output-Formate – Markdown für Reports, Diff für Refactoring, Templates für Content.

DeepAgents injiziert Prompts per Middleware – Sie müssen nicht alles selbst schreiben, sollten die Rolle aber kennen: die „Verfassung“ des Agents.

Praxis: Code durchgespielt

Technologie-Recherche-Agent – vollständiges Beispiel:

from deepagents import create_deep_agent, create_subagent
from langchain_community.tools import TavilyInternetSearch

# 1. Tools
search_tool = TavilyInternetSearch(
    name="internet_search",
    description="Internet-Recherche"
)

# 2. Sub-Agents
research_subagent = create_subagent(
    name="research",
    tools=[search_tool],
    system_prompt="Sie sind Recherche-Experte.\
                   Suchen und extrahieren Sie Kerninformationen.\
                   Nur strukturierte Ergebnisse zurückgeben, keine Zwischenschritte.",
    description="Sub-Agent für Recherche"
)

writer_subagent = create_subagent(
    name="writer",
    tools=[],
    system_prompt="Sie sind Content-Experte.\
                   Strukturieren Sie die Recherche als Bericht.\
                   Markdown mit klaren Abschnitten.",
    description="Sub-Agent für Ausgabe"
)

# 3. Deep Agent
agent = create_deep_agent(
    subagents=[research_subagent, writer_subagent],
    tools=[todo_write, read_file, write_file],
    backend="filesystem"
)

# 4. Ausführen
result = agent.invoke(
    "Recherchieren Sie LangGraph Best Practices\
     und liefern Sie einen strukturierten Bericht"
)

Ablauf:

Plan – todo_write:

todo_write([
    "LangGraph-Dokumentation suchen",
    "Kernarchitektur lesen",
    "Best Practices extrahieren",
    "Designmuster zusammenfassen",
    "Strukturierten Bericht ausgeben"
])

Delegate – research_subagent:

call_subagent("research", "LangGraph Best Practices recherchieren")

Der Orchestrator sieht nur die Zusammenfassung, nicht alle Roh-Suchergebnisse.

Update – Fortschritt in der Liste.

Weiter – writer_subagent, dann write_file.

Beispiel-Log:

[Step 1] todo_write: 5 Aufgaben angelegt
[Step 2] call_subagent(research): Recherche startet
[Step 3] internet_search: "LangGraph best practices"
[Step 4] read_url: 3 offizielle Docs gelesen
[Step 5] subagent_complete: research liefert Struktur
[Step 6] todo_write: 2 erledigt
[Step 7] call_subagent(writer): Bericht strukturieren
[Step 8] subagent_complete: Markdown-Bericht
[Step 9] write_file: Datei geschrieben
[Step 10] todo_write: alle erledigt

Der Orchestrator-Context bleibt schlank: Todos + Sub-Agent-Summaries, kein Rauschen der Zwischenschritte.

Vergleich mit anderen Agent-Frameworks

Neben DeepAgents gibt es LangGraph, AutoGen, CrewAI, SmolAgents – unterschiedliche Schwerpunkte.

FrameworkKernEinsatzLernkurve
DeepAgentsPlanning + Memory + Sub-Agents, fertig verpacktKomplexe Reasoning-Workflows, schneller StartNiedrig
LangGraphStateful Workflows, starke OrchestrierungProduktions-Agents, feine KontrolleMittel
AutoGenMulti-Agent-Graph, .NETEnterprise-Pipelines, Microsoft-ÖkosystemMittel–hoch
CrewAIRollen-Teams, hoher DurchsatzProduktions-Automation, Team-SimulationMittel
SmolAgentsLeicht, code-firstPrototypen, einfache TasksNiedrig

DeepAgents vs LangGraph: DeepAgents baut auf LangGraph auf und liefert Planning, File Backend und Sub-Agent-Management fertig. LangGraph = Zustandsmaschine, freie Knoten/Kanten – Memory und Planning selbst bauen. Schnell Deep Agent → DeepAgents; tief anpassen → LangGraph.

DeepAgents vs AutoGen: AutoGen (Microsoft) betont Dialog zwischen Agents – Debatte, Verhandlung. DeepAgents betont Zerlegung und Ausführung. Team-Diskussion → AutoGen; Aufgabenzerlegung → DeepAgents.

DeepAgents vs CrewAI: CrewAI mit starken „Rollen“ (Forscher, Editor). Ähnlich Sub-Agents, aber CrewAI mehr Persona und Interaktion; DeepAgents mehr Task-Isolation.

DeepAgents vs SmolAgents: Hugging Face, Agent schreibt Python statt Tools – gut für Prototypen, schwächer bei langen Jobs. Einfach testen → SmolAgents; komplex und lang → DeepAgents.

"Die Wahl hängt vom Szenario ab – kein Universal-Framework, nur passende Werkzeuge"

Produktion und Best Practices

Backend-Wahl

StateBackend – Tests, kurz. Schnell, verliert Zustand beim Neustart.

FilesystemBackend – Produktion, Persistenz. Zuverlässig, IO-Kosten.

StoreBackend – Enterprise, Audit. Cloud-DB, Versionierung, mehr Setup.

from deepagents import create_deep_agent, FilesystemBackend

agent = create_deep_agent(
    subagents=[research_subagent, writer_subagent],
    backend=FilesystemBackend(
        base_path="/var/agent-state",
        max_file_size=10 * 1024 * 1024,
        cleanup_after_days=30
    )
)

Granularität der Sub-Agents

Nicht in zehn Micro-Agents zerlegen (search_google, search_bing, …) – Delegation frisst die Zeit.

3–5 Kern-Agents: research, analysis, writer, reviewer (optional). Klare Grenzen: research schreibt keinen finalen Bericht; writer sucht nicht im Web.

Performance

Dateien on demand – nicht alle Zwischendateien auf einmal laden. Pfade im Context, Inhalt bei Bedarf.

Context Summarization – bei langen Läufen komprimieren, letzte Schritte detailliert behalten:

agent = create_deep_agent(
    ...,
    context_management={
        "summarization_threshold": 50000,
        "preserve_last_n_steps": 5
    }
)

Fehler und Qualität

Lange Läufe = mehr Fehlerquellen.

LLM-as-a-Judge – zweites Modell prüft Output (z. B. reviewer_subagent für writer_subagent).

Human-in-the-loop – Checkpoint vor finaler Ausgabe:

agent = create_deep_agent(
    ...,
    verification={
        "auto_verify": True,
        "human_checkpoint": "before_output"
    }
)

Zusammenfassung

Planning Tools – todo_write als Working Memory, Zielkonsistenz über viele Schritte.

Sub-Agents – Fachrollen, sauberer Orchestrator-Context.

File System – Referenzen statt Vollload, Lesen bei Bedarf.

System Prompts – detaillierte Verhaltens- und Tool-Regeln.

Zusammen: von reaktiver Ausführung zu strukturiertem Reasoning – wie bei Claude Code, Deep Research und Manus.

Nächste Schritte:

  • Ersten Langaufgaben-Agent mit DeepAgents bauen – Beispiele: GitHub langchain-ai/deepagents
  • Dokumentation: docs.langchain.com/oss/python/deepagents
  • Serie AI-Entwicklung in der Praxis – u. a. LangGraph-State-Machines und Agent-Memory

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen DeepAgents und LangGraph?
DeepAgents ist eine höhere Abstraktion über LangGraph und fokussiert auf das Deep-Agent-Muster. Planning Tools, File System Backend und Sub-agent Management sind eingebaut und sofort nutzbar. LangGraph ist tiefer: Zustandsmaschine und Workflow-Orchestrierung – Memory und Planning müssen Sie selbst implementieren. Für schnellen Deep-Agent-Aufbau: DeepAgents; für Low-Level-Anpassung: LangGraph.
Wann Sub-Agents statt einem einzelnen Agent?
Sub-Agents lohnen sich, wenn:

• die Aufgabe mehr als 10 Schritte hat und der Context überläuft
• Fachrollen nötig sind (Recherche, Schreiben, Code-Analyse)
• Zwischenschritte den Context verunreinigen, aber nur eine Zusammenfassung gebraucht wird
• feingranulare Rechte nötig sind (nur Lesen, nur Schreiben, Netzwerkzugriff)
Wie wählt man zwischen den drei File-System-Backend-Modi?
Je nach Szenario:

• StateBackend: Tests, kurze Tasks – schnell, nicht persistent
• FilesystemBackend: Produktion, Persistenz – zuverlässig, IO-Kosten
• StoreBackend: Enterprise, Audit – Versionierung, komplexere Konfiguration
Wie fein sollten Sub-Agents aufgeteilt werden?
Empfohlen: 3–5 Kern-Sub-Agents: research (Recherche), analysis (Daten), writer (Ausgabe), reviewer (optional, Qualität). Nicht überfrachten – wer zehn Sub-Agents für eine Recherche nutzt, verbringt oft mehr Zeit mit Delegation als mit der eigentlichen Arbeit. Klare Verantwortungsgrenzen sind entscheidend.
Für welche Aufgaben eignet sich DeepAgents?
DeepAgents passt zu komplexen Reasoning-Workflows: viele Schritte (über 10), Langzeitplanung, Memory-Management, persistente Zwischenergebnisse. Typisch: Deep Research (Dutzende Dokumente), Code-Refactoring (tausende Zeilen), lange Reports (5000+ Wörter). Für einfache Tasks sind SmolAgents oder direkte LLM-API-Aufrufe effizienter.

8 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am: 26. Apr. 2026 · Aktualisiert am: 9. Juli 2026

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