DeepAgents-Architektur: Planning Tools, Sub-Agents und Dateisystem
Warum bricht Ihr KI-Agent bei komplexen Aufgaben immer wieder zusammen?
Sie lassen ihn ein Technologiethema recherchieren – nach 20 Schritten sinkt die Qualität. Sie lassen ihn eine Codebasis refaktorieren – am Ende funktioniert nichts mehr wie vorher. Sie lassen ihn einen langen Bericht schreiben – zur Hälfte wiederholt er sich oder driftet vom Thema ab.
Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Mit einem klassischen Agent wollte ich LangGraph-Best-Practices recherchieren. Anfangs war die Ausgabe strukturiert – nach über dreißig Schritten „vergaß“ er frühere Quellen, das Analysegerüst wackelte, der Bericht wirkte zusammengestückelt und widersprüchlich.
Die Ursache ist immer dieselbe: klassische Agents sind „shallow“. Sie reagieren schrittweise, ohne Planung, ohne Gedächtnis, ohne Unteraufgaben. Wie jemandem einen 5000-Wörter-Bericht ohne Gliederung zu geben – zur Hälfte verliert er die Linie.
Claude Code, Deep Research und Manus schaffen dagegen komplexe Jobs: Refactoring über tausende Zeilen, Reports über Dutzende Seiten. Wie?
Mit der Deep-Agent-Architektur. LangChain hat sie im Paket DeepAgents verpackt. Heute zerlegen wir die vier Säulen: Planning Tools, Sub-Agents, Dateisystem und System Prompts.
Warum Deep Agents?
Fakt: Bei mehr als zehn Schritten fällt die Erfolgsrate klassischer Agents um über die Hälfte.
Das ist keine Behauptung. Daten vom Prompting Guide zeigen: Ab Schritt 11 sinkt die Qualität bei Shallow Agents deutlich. Warum? Es fehlt „Struktur im Kopf“.
Klassische Agents sind reaktiv: Anweisung → Tool → Ergebnis. Jeder Schritt steht für sich – keine Langzeitplanung, kein Zwischenzustand. Wie jemandem das ganze Haus putzen zu lassen, ohne Reihenfolge und ohne Notizen, welche Räume schon fertig sind.
Drei typische Absturzszenarien:
Deep Research. Der Agent recherchiert z. B. „LangGraph Best Practices in Produktion“. Er sucht, liest, extrahiert. Nach 20 Schritten sind frühere Funde aus dem Kontextfenster verdrängt; der Bericht passt nicht mehr zusammen.
Code-Refactoring. Tausende Zeilen, viele Module mit Abhängigkeiten – der Agent ändert eins, vergisst ein anderes. Am Ende läuft nichts mehr.
Lange Texte. Bei 5000 Wörtern wiederholt er sich oder verlässt das Thema.
Gemeinsamer Kern: Context-Kontrollverlust.
Claude Code, Deep Research und Manus nutzen dieselbe Idee: Planung, Aufgabenzerlegung, Memory, Fortschrittskontrolle. LangChain packt das in DeepAgents – im Folgenden das Design im Detail.
Die vier Säulen von DeepAgents
Philosophie: komplexe Arbeit in handhabbare Einheiten mit klaren Rollen.
Vier Säulen greifen ineinander: Planning Tools für Plan und Fortschritt, Sub-Agents für Facharbeit und Context-Isolation, File System für Speicher, System Prompts für Verhaltensgrenzen – wie Orchester: Dirigent, Instrumentengruppen, Partitur, Spielregeln.
Planning Tools: ein „Kopf“ für den Agent
Kern: todo_write.
Technisch ein No-Op – es führt keine Arbeit aus, sondern pflegt eine Aufgabenliste. Diese Liste lebt im Kontextfenster als Working Memory, sodass der Agent Plan und Fortschritt ständig „sieht“.
Beispiel Technologie-Recherche:
- [ ] LangGraph-Dokumentation suchen
- [ ] State-Machine-Design lesen
- [ ] Best-Practice-Fälle extrahieren
- [ ] Kernmuster zusammenfassen
- [ ] Strukturierten Bericht ausgeben
Nach jedem Schritt wird [ ] zu [x]. Egal wie viele Schritte – der Agent weiß, was offen, erledigt oder läuft.
Das sichert langfristige Zielkonsistenz. Ein klassischer Agent vergisst nach Schritt 20 oft das Ziel von Schritt 1. Die Todo-Liste ist wie ein Zettel am Kühlschrank: „Woran arbeitest du eigentlich?“
"Claude Code und Manus nutzen dasselbe Prinzip – Kontextfenster als Working Memory, damit der Agent nicht abdriftet"
Sub-Agents: Fachrollen und Context-Isolation
Ein Orchestrator plant und delegiert; Sub-Agents führen aus – jeweils mit eigenem Kontextfenster. Nach Abschluss geht nur das Endergebnis an den Orchestrator.
Vier Vorteile:
Context Preservation. Zwischenschritte (Suchtreffer, HTML, Extraktion) bleiben beim Sub-Agent. Der Orchestrator bekommt z. B. nur: „Diese fünf Kernpunkte gefunden.“
Specialized Expertise. research_subagent für Suche, writer_subagent für Text, coder_subagent für Code – jeweils fokussiert.
Reusability. Derselbe Sub-Agent in mehreren Workflows.
Fine-Grained Permissions. Lesen, Schreiben, Netzwerk – pro Sub-Agent getrennt.
"Empfohlen: Orchestrator-Sub-agent-Architektur (Task Decomposition Pattern) – komplexe Aufgaben in Teilaufgaben für spezialisierte Einheiten"
API-Beispiel:
from deepagents import create_deep_agent, create_subagent
# Sub-Agents definieren
research_subagent = create_subagent(
name="research",
tools=[internet_search, read_url],
description="Spezialist für Recherche und Extraktion"
)
writer_subagent = create_subagent(
name="writer",
tools=[write_file],
description="Spezialist für Strukturierung und Ausgabe"
)
# Haupt-Agent
agent = create_deep_agent(
subagents=[research_subagent, writer_subagent],
tools=[todo_write, read_file, write_file]
)
Context-Wechsel und Ergebnisübergabe übernimmt DeepAgents beim Aufruf.
File System: über die Kontextgrenze hinaus
Kontextfenster sind begrenzt (z. B. Claude ~200K, GPT-4 ~128K Tokens). Bei langen Jobs – große Codebasen, viele Dokumente – ist der Platz schnell voll.
Lösung: Dateireferenzen statt alles inline.
Zwischenergebnisse landen im Dateisystem; bei Bedarf read_file. Wie Forschung mit Ordnern statt alles auswendig.
Drei Backends:
StateBackend – RAM, Tests, kurze Tasks. Schnell, nicht persistent.
FilesystemBackend – lokale Dateien, Produktion. Persistent, IO-Overhead.
StoreBackend – Cloud, Enterprise, Audit. Versionierung und Logs, höherer Setup-Aufwand.
| Modus | Vorteile | Nachteile | Einsatz |
|---|---|---|---|
| All-in-Context | Einfach | Context-Overflow | Kurze Tasks |
| File-Based References | Spart Context | Dateilogik nötig | Lange Tasks, Produktion |
| Hybrid | Flexibel | Komplexer | Enterprise |
Standard oft Hybrid – Wichtiges im Context, Massendaten in Dateien.
System Prompts: unterschätzt, aber zentral
Viele denken: „Du bist ein hilfreicher Assistent.“ Bei Deep Agents sind System Prompts hunderte bis tausende Zeilen – Tool-Regeln, Datei-Flows, Stil.
Claude Code: hunderte Zeilen. Deep Research: tausende – Methodik, Extraktion, Output-Templates.
Warum so lang? Lange Tasks treffen Grenzfälle. Kurze Anweisungen reichen nicht. Detaillierte Prompts legen fest:
Verhaltensgrenzen – wann todo_write, wann Sub-Agent, wann direkt antworten.
Tool-Nutzung – Parameter, Rückgabeformat (Pfad vs. ID, Rohtext vs. Summary).
Output-Formate – Markdown für Reports, Diff für Refactoring, Templates für Content.
DeepAgents injiziert Prompts per Middleware – Sie müssen nicht alles selbst schreiben, sollten die Rolle aber kennen: die „Verfassung“ des Agents.
Praxis: Code durchgespielt
Technologie-Recherche-Agent – vollständiges Beispiel:
from deepagents import create_deep_agent, create_subagent
from langchain_community.tools import TavilyInternetSearch
# 1. Tools
search_tool = TavilyInternetSearch(
name="internet_search",
description="Internet-Recherche"
)
# 2. Sub-Agents
research_subagent = create_subagent(
name="research",
tools=[search_tool],
system_prompt="Sie sind Recherche-Experte.\
Suchen und extrahieren Sie Kerninformationen.\
Nur strukturierte Ergebnisse zurückgeben, keine Zwischenschritte.",
description="Sub-Agent für Recherche"
)
writer_subagent = create_subagent(
name="writer",
tools=[],
system_prompt="Sie sind Content-Experte.\
Strukturieren Sie die Recherche als Bericht.\
Markdown mit klaren Abschnitten.",
description="Sub-Agent für Ausgabe"
)
# 3. Deep Agent
agent = create_deep_agent(
subagents=[research_subagent, writer_subagent],
tools=[todo_write, read_file, write_file],
backend="filesystem"
)
# 4. Ausführen
result = agent.invoke(
"Recherchieren Sie LangGraph Best Practices\
und liefern Sie einen strukturierten Bericht"
)
Ablauf:
Plan – todo_write:
todo_write([
"LangGraph-Dokumentation suchen",
"Kernarchitektur lesen",
"Best Practices extrahieren",
"Designmuster zusammenfassen",
"Strukturierten Bericht ausgeben"
])
Delegate – research_subagent:
call_subagent("research", "LangGraph Best Practices recherchieren")
Der Orchestrator sieht nur die Zusammenfassung, nicht alle Roh-Suchergebnisse.
Update – Fortschritt in der Liste.
Weiter – writer_subagent, dann write_file.
Beispiel-Log:
[Step 1] todo_write: 5 Aufgaben angelegt
[Step 2] call_subagent(research): Recherche startet
[Step 3] internet_search: "LangGraph best practices"
[Step 4] read_url: 3 offizielle Docs gelesen
[Step 5] subagent_complete: research liefert Struktur
[Step 6] todo_write: 2 erledigt
[Step 7] call_subagent(writer): Bericht strukturieren
[Step 8] subagent_complete: Markdown-Bericht
[Step 9] write_file: Datei geschrieben
[Step 10] todo_write: alle erledigt
Der Orchestrator-Context bleibt schlank: Todos + Sub-Agent-Summaries, kein Rauschen der Zwischenschritte.
Vergleich mit anderen Agent-Frameworks
Neben DeepAgents gibt es LangGraph, AutoGen, CrewAI, SmolAgents – unterschiedliche Schwerpunkte.
| Framework | Kern | Einsatz | Lernkurve |
|---|---|---|---|
| DeepAgents | Planning + Memory + Sub-Agents, fertig verpackt | Komplexe Reasoning-Workflows, schneller Start | Niedrig |
| LangGraph | Stateful Workflows, starke Orchestrierung | Produktions-Agents, feine Kontrolle | Mittel |
| AutoGen | Multi-Agent-Graph, .NET | Enterprise-Pipelines, Microsoft-Ökosystem | Mittel–hoch |
| CrewAI | Rollen-Teams, hoher Durchsatz | Produktions-Automation, Team-Simulation | Mittel |
| SmolAgents | Leicht, code-first | Prototypen, einfache Tasks | Niedrig |
DeepAgents vs LangGraph: DeepAgents baut auf LangGraph auf und liefert Planning, File Backend und Sub-Agent-Management fertig. LangGraph = Zustandsmaschine, freie Knoten/Kanten – Memory und Planning selbst bauen. Schnell Deep Agent → DeepAgents; tief anpassen → LangGraph.
DeepAgents vs AutoGen: AutoGen (Microsoft) betont Dialog zwischen Agents – Debatte, Verhandlung. DeepAgents betont Zerlegung und Ausführung. Team-Diskussion → AutoGen; Aufgabenzerlegung → DeepAgents.
DeepAgents vs CrewAI: CrewAI mit starken „Rollen“ (Forscher, Editor). Ähnlich Sub-Agents, aber CrewAI mehr Persona und Interaktion; DeepAgents mehr Task-Isolation.
DeepAgents vs SmolAgents: Hugging Face, Agent schreibt Python statt Tools – gut für Prototypen, schwächer bei langen Jobs. Einfach testen → SmolAgents; komplex und lang → DeepAgents.
"Die Wahl hängt vom Szenario ab – kein Universal-Framework, nur passende Werkzeuge"
Produktion und Best Practices
Backend-Wahl
StateBackend – Tests, kurz. Schnell, verliert Zustand beim Neustart.
FilesystemBackend – Produktion, Persistenz. Zuverlässig, IO-Kosten.
StoreBackend – Enterprise, Audit. Cloud-DB, Versionierung, mehr Setup.
from deepagents import create_deep_agent, FilesystemBackend
agent = create_deep_agent(
subagents=[research_subagent, writer_subagent],
backend=FilesystemBackend(
base_path="/var/agent-state",
max_file_size=10 * 1024 * 1024,
cleanup_after_days=30
)
)
Granularität der Sub-Agents
Nicht in zehn Micro-Agents zerlegen (search_google, search_bing, …) – Delegation frisst die Zeit.
3–5 Kern-Agents: research, analysis, writer, reviewer (optional). Klare Grenzen: research schreibt keinen finalen Bericht; writer sucht nicht im Web.
Performance
Dateien on demand – nicht alle Zwischendateien auf einmal laden. Pfade im Context, Inhalt bei Bedarf.
Context Summarization – bei langen Läufen komprimieren, letzte Schritte detailliert behalten:
agent = create_deep_agent(
...,
context_management={
"summarization_threshold": 50000,
"preserve_last_n_steps": 5
}
)
Fehler und Qualität
Lange Läufe = mehr Fehlerquellen.
LLM-as-a-Judge – zweites Modell prüft Output (z. B. reviewer_subagent für writer_subagent).
Human-in-the-loop – Checkpoint vor finaler Ausgabe:
agent = create_deep_agent(
...,
verification={
"auto_verify": True,
"human_checkpoint": "before_output"
}
)
Zusammenfassung
Planning Tools – todo_write als Working Memory, Zielkonsistenz über viele Schritte.
Sub-Agents – Fachrollen, sauberer Orchestrator-Context.
File System – Referenzen statt Vollload, Lesen bei Bedarf.
System Prompts – detaillierte Verhaltens- und Tool-Regeln.
Zusammen: von reaktiver Ausführung zu strukturiertem Reasoning – wie bei Claude Code, Deep Research und Manus.
Nächste Schritte:
- Ersten Langaufgaben-Agent mit DeepAgents bauen – Beispiele: GitHub
langchain-ai/deepagents - Dokumentation: docs.langchain.com/oss/python/deepagents
- Serie AI-Entwicklung in der Praxis – u. a. LangGraph-State-Machines und Agent-Memory
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen DeepAgents und LangGraph?
Wann Sub-Agents statt einem einzelnen Agent?
• die Aufgabe mehr als 10 Schritte hat und der Context überläuft
• Fachrollen nötig sind (Recherche, Schreiben, Code-Analyse)
• Zwischenschritte den Context verunreinigen, aber nur eine Zusammenfassung gebraucht wird
• feingranulare Rechte nötig sind (nur Lesen, nur Schreiben, Netzwerkzugriff)
Wie wählt man zwischen den drei File-System-Backend-Modi?
• StateBackend: Tests, kurze Tasks – schnell, nicht persistent
• FilesystemBackend: Produktion, Persistenz – zuverlässig, IO-Kosten
• StoreBackend: Enterprise, Audit – Versionierung, komplexere Konfiguration
Wie fein sollten Sub-Agents aufgeteilt werden?
Für welche Aufgaben eignet sich DeepAgents?
8 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am: 26. Apr. 2026 · Aktualisiert am: 9. Juli 2026
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